Wichtige Begriffe

Mit der gestuften Studienstruktur sind viele neue Strukturelemente verbunden. Die wichtigsten werden im Folgenden erläutert.

Module »

Wichtiges Strukturelement der neuen Studiengänge sind die so genannten Module. Es handelt sich dabei um nach thematischen Gesichtspunkten gebildete Zusammenfassungen von Lehrveranstaltungen, die sich über maximal zwei Semester erstrecken. Module können sich aus ganz unterschiedlichen Lehr- und Lernformen in Präsenzveranstaltungen zusammensetzen wie Vorlesungen, Übungen und Seminare. Auch neue Formen multimedialen und internetbasierten Lernens können Elemente von Modulen sein.

Module sollen durch ihre Ausgestaltung und die Abfolge von Studieninhalten zu einem systemischen Erwerb von Wissen und Kompetenzen führen. Module und die mit ihnen angestrebten Teilqualifikationen werden genau definiert. Dies gewährleistet eine bessere Übersicht über den individuellen Studienverlauf und ermöglicht den Studierenden, gezieltere Entscheidungen hinsichtlich eines eigenverantwortlichen Studiums und ihrer individuellen Berufsprofile zu treffen. Zudem lassen sich Module durch ihre Multifunktionalität für unterschiedliche Studienziele verwenden, das heißt, die Modularisierung erhöht die Durchlässigkeit zwischen Studienfächern.

Leistungspunkte »

Wichtige Voraussetzung, um den internationalen Vergleich von Studienleistungen zu ermöglichen, ist das European Credit Transfer System (ECTS). Dabei erfassen die Leistungspunkte (Credits) nicht die Qualität von Leistungen. Sie ersetzen also nicht die Benotung von Studienleistungen. Vielmehr dokumentieren sie den für das erfolgreiche Studium notwendigen durchschnittlichen Zeitaufwand, den so genannten Workload. Sie erfassen daher nicht nur die Präsenzzeiten in Veranstaltungen, sondern den gesamten Zeitaufwand für

  • Teilnahme an Veranstaltungen
  • Selbststudium
  • Anfertigen von Arbeiten

Der Workload geht von einem Vollzeitstudium mit 40 Arbeitsstunden pro Woche bei 45 Arbeitswochen pro Jahr aus (also 1800 Stunden im Jahr, 900 pro Semester). Ein Leistungspunkt entspricht einem Zeitaufwand von 30 Stunden. Insgesamt müssen die Studierenden im Bachelor-Studium 180 Leistungspunkte (30 pro Semester) erwerben. Der in Leistungspunkten bemessene Workload ist eine wichtige Voraussetzung für die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen und -abschlüssen zwischen verschiedenen Universitäten und verschiedenen Ländern.

Studienbegleitende Einzelleistungen »

Es hat sich gezeigt, dass das in Deutschland bisher praktizierte Prinzip eines großen "Prüfungsblocks" am Ende des Studiums eine psychologische Barriere darstellt, die auf viele Studierende abschreckend wirkt und so zur Verlängerung des Studiums beiträgt. Die neue Studienstruktur sieht stattdessen bereits ab dem ersten Semester studienbegleitende Prüfungen vor, die sich auf die gewählten Module beziehen. Die Leistungsnoten für die Module gehen in die spätere Gesamtnote ein. So erhalten die Studierenden regelmäßige Rückmeldungen über ihren Leistungsstand und werden zu kontinuierlicher Arbeit motiviert. Erste Erfahrungen zeigen, dass damit auch die Zufriedenheit mit dem Studium zunimmt: Man bekommt bereits im ersten Semester das berechtigte Gefühl, schon jetzt etwas Zählbares geleistet zu haben.

Diploma Supplement und Transcript »

Zusätzlich zum bisher üblichen Abschlusszeugnis, das nur über die Abschlussnote, aber nicht über den Studienverlauf Auskunft gibt, erhalten die Studierenden in Zukunft am Ende des Studiums Dokumente, die detailliert die im Studium erbrachten Leistungen aufführen. Damit können Studierende bei Bewerbungen ihr Profil erworbener Kenntnisse und Fähigkeiten genau nachweisen.

  • Das "Diploma Supplement" enthält Angaben zum Studiengang, seinen Voraussetzungen und Inhalten, zum Benotungssystem und zur Art des Abschlusses und wird durch Informationen über die Hochschule und das deutsche Studiensystem ergänzt.
  • Das Transcript informiert über den individuellen Studienverlauf, das gewählte fachliche Profil, besuchte Lehrveranstaltungen und Module und die während des Studienganges erbrachten Leistungen und deren Bewertungen.

Akkreditierung »

Die gestuften Studiengänge werden in einem Begutachtungsverfahren ("Akkreditierung") auf die Einhaltung von Mindeststandards überprüft. Im Auftrag einer Akkreditierungsagentur prüfen externe Gutachter (Vertreter von Hochschulen und Studierenden, Experten aus der Berufspraxis sowie Abgesandte der Bundesländer) z.B., ob das Studium in der angegebenen Zeit absolviert werden kann, fachliche Standards erfüllt sind, die personelle Ausstattung hinreichend ist und das Studium berufliche Perspektiven eröffnet. Das Verfahren soll Studieninteressierten, Studierenden, Arbeitgebern und Hochschulen außerdem die Orientierung über die neu eingeführten Studiengänge erleichtern. Die Akkreditierung erfolgt befristet und muss in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.

Das Verfahren richtet sich nicht nur auf die Qualität des Studiums in den einzelnen Studiengängen, sondern auf die Innovation und Flexibilität des Hochschulstudiums insgesamt: Akkreditierungsverfahren sollen für die Einführung neuer Studiengänge ein schnelleres und flexibleres Vorgehen ermöglichen, als dies in den früheren ministeriellen Genehmigungsverfahren der Fall war. Die Akkreditierung und die sie tragenden Institutionen (Akkreditierungsagenturen, Akkreditierungsrat) sind seit 1998 entwickelt und verankert worden. Das System befinden sich noch in der Entwicklung.